Aktuelles für Beamte: Volkssport? Gewalt gegen Beschäftigte im Dienst der Gesellschaft; 02/2020

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Volkssport? Gewalt gegen Beschäftigte im Dienst der Gesellschaft

Um den Respekt vor Menschen in Uniform und anderen Berufsgruppen im Dienst der Gesellschaft ist es nicht gut bestellt. Zu diesem Fazit kam im Dezember 2019 eine Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung. Rettungskräfte, PolizistInnen, LehrerInnen und PolitikerInnen – all diese Berufe haben demnach in der Gesellschaft an Respekt verloren. Dass es sich dabei nicht um eine empirische Momentaufnahme handelt und der Respektverlust alarmierende Auswirkungen hat, belegt nun eine Umfrage unter Beschäftigten des öffentlichen und privatisierten Sektors im Auftrag des DGB.

Gewalt im Dienst? Für viele Beschäftigte Alltag.

Obwohl es in unserer Gesellschaft laut Polizeilicher Kriminalstatistik immer weniger gewalttätig und kriminell zugeht, konstatieren 57 Prozent der an der DGB-Umfrage teilnehmenden Beschäftigten, dass ihren Eindrücken nach die Anzahl oder Aggressivität der Übergriffe ihnen oder ihren KollegInnen gegenüber in den letzten Jahren zugenommen habe. Sie bestätigen damit einen anhaltenden Negativtrend. Denn: 2018 wurde erneut eine Rekordzahl von PolizistInnen Opfer einer Gewalttat und die Zahl der Angriffe auf Beschäftigte bei der Bahn hat sich in wenigen Jahren fast verdreifacht. Obwohl bis auf Polizei und Bahn konkrete Zahlen fehlen, zeigt die Umfrage, dass Gewalt gegen Beschäftigte im Dienst der Gesellschaft längst zu einem Massenphänomen geworden ist. So gaben 67,1 Prozent der befragten Beschäftigten an, in den letzten zwei Jahren mindestens einmal Opfer von Respektlosigkeiten und Gewalt geworden zu sein. Darunter fallen Beleidigungen, körperliche Übergriffe, Bedrohung mit Waffen, etc. Diese Erkenntnis wird von weiteren Beschäftigtenbefragungen gestützt: 2017 gaben 64 Prozent der Befragten aus den Bereichen Brandschutz und Rettungsdienste an, 2016 mindestens einmal Opfer von Gewalt geworden zu sein. Und laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) erlitten 2018 über 10.000 Beschäftigte einen Arbeitsunfall aufgrund physischer oder psychischer Gewalt.

Beschäftigte werden zu oft allein gelassen.

Die Folgen solcher Taten wiegen schwer: Fast jeder dritte Befragte (29,4 Prozent) wurde nach einem Angriff krankgeschrieben, mehr als jeder Zweite (57,8 Prozent) berichtet von Schlafstörungen. 41,3 Prozent der betroffenen Befragten fühlen sich durch die erlebten Übergriffe auch zu Hause verängstigt und gestresst. Neun Prozent der Betroffenen mussten aufgrund des Erlebten sogar ins Krankenhaus und 11,9 Prozent befanden oder befinden sich in therapeutischer Behandlung. Und noch eine Erkenntnis ist alarmierend: Während 33,8 Prozent der Befragten auf Grund von Übergriffen den Wunsch verspürten, die Arbeitsstelle zu wechseln, wollten 36,4 Prozent am liebsten die Tätigkeit insgesamt ändern. Angesichts des Personalmangels im öffentlichen wie auch privatisierten Sektor ein auf mehrfache Weise erschreckendes Ergebnis.

Dass das eigene Personal zunehmend Opfer von Angriffen und Beleidigungen wird, scheint noch nicht in allen Dienststellen, bei ArbeitgeberInnen und politisch Verantwortlichen angekommen zu sein. Wenn Vorgesetzte über einen Vorfall informiert wurden, berichtet jede und jeder Fünfte (20,6 Prozent), sich von Vorgesetzten nicht ernstgenommen gefühlt zu haben. Das Problem dabei: Wenn Führungskräfte wegschauen, schleicht sich leicht eine Normalisierung von Gewalt ein.

Ursachenforschung steht noch aus.

Die Frage nach den Gründen für die steigenden Übergriffe auf Beschäftigte im Dienst der Gesellschaft ist keine einfache. Hier kommen verschiedene Faktoren zusammen: Die nach wie vor zahlreichen Gewaltdelikte und insbesondere die Tendenz der wachsenden Übergriffe gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst und im privatisierten Sektor sind für 92 Prozent der Betroffenen ein Symptom des schwindenden gesellschaftlichen Zusammenhalts und einer gesellschaftlichen Verrohung. Hinzu kommt für 87,8 Prozent, dass die Hemmschwelle zu aggressivem Verhalten in der Gesellschaft gesunken ist. Auch der jahrelange Sparkurs der öffentlichen Hand hat nach Ansicht vieler seine Spuren hinterlassen: 71,5 Prozent der betroffenen Befragten geben an, dass viele BürgerInnen aufgrund von zu wenig Personal und damit verbundenen Schlechtleistungen genervt sind und aggressiv reagieren.

Schwer wiegt in diesem Zusammenhang, dass die Beschäftigten dann als StellvertreterInnen des Staates häufig für politische Entscheidungen verantwortlich gemacht werden. Frust, Unmut und Ohnmacht werden dann direkt vor Ort abgeladen. Da sind sich 86,2 Prozent der Betroffenen einig.

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Zu Respekt gehört mehr.

Die erfassten Zahlen sind alarmierend und bestätigen in vielerlei Hinsicht die Einschätzungen der Gewerkschaften. Der DGB hat daher beschlossen, die Problematik in die Öffentlichkeit, die Dienststellen und in die Politik zu tragen. Mit einer breit angelegten Initiative und unter dem Slogan Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch, soll ab Februar 2020 deutlich gemacht werden, was die Beschäftigten des öffentlichen und privatisierten Sektors täglich für die Gesellschaft leisten – und was sie im Gegenzug erfahren. Hierfür startet am 18. Februar eine bundesweite Plakatkampagne, flankiert durch Veranstaltungen, einen Social-Spot sowie Publikationen zum Thema. Darüber hinaus wird sich der DGB auf Bundes- und Landesebene an die politischen EntscheidungsträgerInnen wenden, um für mehr Respekt und bessere Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Dienst der Gesellschaft zu kämpfen.

Mehr zur Initiative erfahren?

Weitere Informationen zur Initiative gibt es auf der Webseite www.dgb.de/mensch.

Möchten Sie die Initiative unterstützen? Dann erzählen Sie uns Ihre Geschichte!

Wir wollen den Erfahrungen der Beschäftigten ein authentisches Gesicht und den Betroffenen eine kräftige Stimme geben. Dafür suchen wir KollegInnen, die von ihren Erfahrungen mit Respektlosigkeiten und Gewalt am Arbeitsplatz berichten wollen. Melden Sie sich unter mensch@dgb.de und erzählen Sie uns ihre Geschichte.

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Quelle: Beamten-Magazin 02/2020

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